Vor Kurzem hatte ich die Möglichkeit, an einer Schreibwerkstatt / einem Schreibseminar an der Volkshochschule teilzunehmen. Es hat richtig Spaß gemacht 🙂 Die Dozentin war sehr gut und konnte gut erklären. Das Verhältnis zwischen theoretische Konstrukte und praktische Übung war perfekt austariert.
Wobei man hier natürlich darüber diskutieren kann, welche „theoretische Konstrukte“ in einem Kunstwerk tatsächlich zum Tragen kommen können? Kunst ist Kunst, nicht wahr? Ich glaube aber , dass Schreiben ein Handwerk ist, das gelernt werden kann – selbstverständlich müsste ein gewisses Grundtalent vorhanden sein, aber sonst ist Schreiben für mich nichts anderes als Arbeit, die eine gewisse Technik voraussetzt und gelernt werden kann.
Ich würde gerne eure Gedanken dazu hören, also schreibt mir gerne, was ihr denkt 😉
Jedenfalls… gehen wir mal durch, wie der Ablauf im Seminar war und wie er geholfen hat. Alle Texte, die ich in der Schreibwerkstatt entworfen habe, lade ich euch in einem anderen Artikel hoch, weil dieser Text sonst ewig lang wird.
Tag 1
- Die Cluster-Technik
Die Cluster-Technik habe ich euch hier auf dem Blog bereits erklärt – ich hatte diese Technik des Plottens schon in einem anderen Seminar kennengelernt. Den detaillierten Artikel findet ihr hier: Von einem Bild zu einer Geschichte

Die Cluster-Technik funktioniert für einige besser als für andere. Für mich klappt die Cluster-Technik sehr gut. Dieses Mal musste ich nur zwei „Cluster“ bilden, um die Geschichte aufs Papier zu bringen. Die Idee kam praktisch sofort. Wir hatten 20 Minuten Zeit, eine kurze Geschichte zu schreiben.
- Steckbrief – Figuren entwerfen
Steckbriefe zu Figuren bzw. Charakterentwicklung finden sich online noch und nöcher 🙂 Dieses Mal hat die Dozentin eine kurze Liste an alle verteilt, auf die Basiseigenschaften von Menschen geschrieben standen: Vorname und Name, Alter und Aussehen, Beruf und Bildung, Lebenssituation und Familie usw.
Wir sollten aber nicht einfach so eine Figur erfinden, sondern sollten zusammenarbeiten und anhand eines Bildes (und zwar dieses hier: Edward Hopper „Zimmer in New York“) die darauf abgebildeten Charaktere „entwerfen“. Was sehen wir drauf? Wie sind die Namen der Figuren? Was könnte passiert sein? Was könnte weiterhin passieren?
Danach hatten wir wieder 20 Minuten Zeit, einen Text um die Figuren herum zu entwerfen. Erstaunlich war, dass jeder im Raum eine andere Geschichte geschrieben hat, aus unterschiedlichen Perspektiven und mit einer anderen Entwicklung. Wir waren 11 Personen im Raum und es entstanden 11 verschiedene Geschichten, obwohl wir alle vom selben Ausgangspunkt losgeschrieben haben.
Dennoch ist des nicht gerade einer meiner Lieblingstechniken. Ich mag es, wenn sich die Figuren im Laufe der Geschichte Stück für Stück entwickeln… dabei bin ich mir schon bewusst, dass bei vielen verschiedenen Charakteren in einem Roman möglicherweise die Notwendigkeit besteht, ihre Eigenschaften genaustens festzuhalten, damit aus einer Blondine nicht plötzlich eine Rothaarige wird 🙂

Wir haben uns einige Zeit über Figuren unterhalten und dass sie glaubwürdig und nahbar sein müssen. Macken, Charakterschwächen wie auch Stärken gehören zu einer Romanfigur auf jeden Fall dazu. Einen perfekten Charakter ohne Fehl und Tadel mag niemand – ich glaube, das können wir alle gut nachvollziehen.
Fazit erster Tag: Damit ging der erste Tag zu Ende – ich weiß, das hört sich kurzweilig an, aber bei 11 Personen, die Geschichten schreiben, dann lesen und alle Feedback geben und die ganzen Diskussionen drumherum war der Tag richtig voll.
Der erste Tag hat zumindest für mich keine neuen Erkenntnisse gebracht, aber es hat meine Fantasie angeregt und mir wieder einmal bestätigt, wie gerne ich schreibe und dass ich auf jeden Fall weiterschreiben werde. Der Austausch mit den anderen hat sehr viel Spaß gemacht, auch wenn ich doch die einzige im Raum war, deren Geschichten ein wenig gruselig waren 😉 Alle anderen konzentrierten sich auf Alltags-, Liebes- oder tiefgründige Geschichten. Es war trotzdem sehr unterhaltsam.
Tag 2
Die Dozentin begann den zweiten Seminartag mit einigen Buchempfehlungen zum Schreiben. Ich werde euch in einem anderen Artikel die Empfehlungen (und einige Bücher, die mir geholfen haben) zusammenfassen.

Dann haben wir anhand eines Charts, der illustrierte, wie sich Spannung in einer Erzählung entwickelt, lange über Spannung und Spannungsaufbau gesprochen. Im Anschluss gab es folgende Übung.
- Ein vorgegebener erster Satz
Jeder von uns sollte einen kurzen Satz schreiben, der uns animieren würde, weiterzulesen – also aus der Perspektive des Lesers. Wir schreiben fleißig auf und… sollten den Satz nach links abgeben, damit der Nachbar / die Nachbarin damit eine kurze Geschichte verfassen sollte.
So eine Überraschung hatte ich schonmal in einer Gruppenübung – hier habe ich euch die Übung mal Beschrieben: Ein vorgegebenes Setting.
Also musste ich auf den Anfangssatz meiner Tischnachbarin eine Geschichte schreiben. Okay, es war eine Herausforderung, klappte dann aber erstaunlich gut.
Mein Gehirn war echt schwer am Arbeiten – war sehr stolz auf meine kreative Kanone, die aus allen Rohren feuerte 🙂 Ob da was Gutes dabei herauskam, kann ich selbst nicht beurteilen. Sagt mir gerne Bescheid, wenn ihr die Texte seht – ich stelle sie wahrscheinlich nächsten Samstag (27.04.2024) online. Ich müsste noch ein wenig daran arbeiten, weil sie wirklich sehr „Rohfassung“ sind 🙂 Wenn ihr diesen Artikel später lesen werdet, sind sie wahrscheinlich schon online und der Link wäre hier…
- Ein vorgegebener Schluss
Die nächste Übung ging genauso weiter. Wir sollten einen letzten Satz einer Geschichte schreiben und den Satz nach rechts zum Nachbarn / zur Nachbarin weiterreichen. Dieses Mal waren wir aber alle vorbereitet und es lief wie am Schnürchen.

Beide Übungen waren doch sehr fordernd, weil jeder gezwungen war, mit dem Beginn bzw. mit dem Ende eines anderen Autors zu arbeiten. Die Geschichten, die trotzdem dabei herausgekommen sind, waren echt erstaunlich. Man kann sich anpassen!
Fazit zweiter Tag: Damit endete auch der zweite Tag der Schreibwerkstatt und ich muss gestehen, es war großartig! Ich war am Schluss total platt, aber die Arbeitsweise der Dozentin und der Austausch mit den anderen Autoren war wirklich super.
Gesamtfazit
Würde ich eine Schreibwerkstatt empfehlen? Ja! Auf jeden Fall! Ich habe in der Schreibwerkstatt sehr viel gelernt und vieles mitgenommen. Der Austausch mit anderen Autoren, ob jetzt bereits veröffentlichte Autoren oder Amateure ist Gold wert.
Wie ich oben schon sagte, ich denke, Schreiben ist ein Handwerk, das – mit einer gewissen Basis an Talent – gelernt werden kann. Die Devise heißt jetzt: üben! Üben! Üben! Und insgesamt einfach dranbleiben.
Für mich ist Schreiben das schönste Hobby der Welt!
Info: Die Bilder im Artikel habe ich alle selbst geschossen auf verschiedene Reisen (ich bin leidenschaftliche Reisende) und haben mit dem eigentlichen Inhalt des Artikels nichts zu tun. Sie sind nur dazu da, um den längeren Artikel ein wenig aufzulockern 🙂
[…] Mittlerweile ist der Artikel online und zwar hier: Schreibwerkstatt – ein exemplarischer Ablauf […]
[…] Die Texte, die ich euch hier zeigen möchte, sind das Resultat meiner Schreibwerkstatt, die ich mitte April besucht habe und über die ich hier berichtet habe: Schreibwerkstatt – ein exemplarischer Ablauf. […]
[…] Ach ja,… wie so ein Schreibseminar exemplarisch abläuft, habe ich euch hier mal geschildert: Schreibwerkstatt – ein exemplarischer Ablauf […]