Als ich anfing, zu schreiben, war es meist für mich und zu meinem Vergnügen – sagen wir alle, nicht wahr? Vermutlich ist die Aussage nicht einmal gelogen, aber die meisten von uns, die Geschichten schreiben, wollen diese Geschichten irgendwann auch veröffentlicht sehen. Kommt… seid ehrlich 🙂

Ich bin davon überzeugt, dass Schreiben ein Handwerk ist, das jeder lernen kann. Ja, einige Autoren haben mehr Talent als andere, aber letztendlich gibt es beim Schreiben, wie bei jeder anderen Fertigkeit auch, einige Regeln, die – wenn befolgt – zumindest zu einer passablen Geschichte führen.

Warum erzähle ich das? Nun, weil ich überzeugt war, Schreibwerkstätten oder Schreibseminare – wie auch immer die Bezeichnung lautet – hilfreich sein könnten und habe einige Veranstaltungen besucht.

Nach dem dritten Seminar habe ich aber angefangen, ernsthaft an der Sinnhaftigkeit dieser Seminare zu zweifeln. Warum? Weil sie alle gleich sind, nach demselben Muster ablaufen und nach einigen Veranstaltungen – bei mir drei – das Gefühl aufkommen, nichts mehr Neues dazu zu lernen.

Die drei Seminare, die ich besucht habe, liefen alle exakt gleich ab:

  • Schreibt eine Geschichte nach der Cluster-Technik
  • Schreibt eine Geschichte nach einem Bild
  • Schreibt eine Geschichte nach einem vorgegebenen Anfangssatz
  • Schreibt eine Geschichte, die mit einem bestimmten Satz enden soll

(optional, wenn die Veranstaltung länger geht: schreibt ein Gedicht nach den Regeln x, y, z – Lyrik ist so gar nicht mein Ding)

Nach jeder Übung wird fleißig der Reihe nach vorgelesen, geklatscht oder auf den Tisch geklopft und weiter geht’s mit der nächsten Übung.

Das erste Mal war es noch spaßig.

Das zweite Mal war es ein wenig enttäuschend.

Das dritte Mal hatte ich schon keine Lust mehr.

Ach ja,… wie so ein Schreibseminar exemplarisch abläuft, habe ich euch hier mal geschildert: Schreibwerkstatt – ein exemplarischer Ablauf

Ich weiß, dass es eine Menge verschiedene lustige Schreibübungen gibt, aber in den drei Seminaren, die ich besucht habe, waren es immer dieselben Übungen. Laaangweilig! Auch wenn daraus zwei Mal Texte entstanden sind, die ich irgendwie verwerten konnte, lohnt sich in meinen Augen ein Schreibseminar nicht wirklich.

Zum einen: SEHR TEUER! Ich weiß, es wird nicht nur die Dozentin oder der Dozent bezahlt, sondern auch die Räumlichkeiten und die Materialien (falls vorhanden). Dennoch ist ein Seminar, in dem ich nichts anderes mache als das, was ich auch zuhause – kostenfrei – machen würde, sehr kostspielig in meinen Augen.

Ja, ich kann den Einwand schon hören – aber zuhause setzt du dich nicht hin und schreibst. Im Seminar musst du dich auf das Schreiben konzentrieren.

Der Einwand ist berechtigt 😉

Aber – doch! Ich setze mich zuhause hin und schreibe. Es ist mein Ausgleich! Mein Hobby! Meine Flucht vom Alltag! Daher mache ich das durchaus.

Zum zweiten: Es gibt Schreibgruppen (auch online) die sich regelmäßig treffen und zusammen schreiben.  Ich habe mich auch einer Schreibgruppe angeschossen. Wir treffen uns jeden zweiten Mittwoch und schreiben. Es macht sehr viel Spaß, jeder liest seine Geschichten – bzw. wer mag – und es kostet absolut nichts. Außer Überwindung am Abend, nach einem langen Arbeitstag sich noch zur Schreibgruppe zu „schleppen“ 🙂

Und drittens: Einfach drauflosschreiben kann jeder, ob zuhause oder in einer Gruppe, aber ich wüsste gerne ein wenig etwas über das Scheiben an sich. Ein wenig Theorie und wie das Handwerk angewendet wird.

So einfache Fragen, wie: welche Genres gibt es? Welche Arten von Perspektiven gibt es und wie werden sie schriftlich umgesetzt? Ich habe kostenlose YouTube-Videos gesehen, die hervorragende Erklärungen liefern, aber in allen kostenpflichtigen Seminaren haben wir nur alle dagesessen und einfach „drauflosgeschrieben“.

Bei den meisten Geschichten wurde gar nicht erst darauf eingegangen, wie die Technik verbessert werden könnte oder was, wie, wo optimiert werden könnte.

Fazit (nachdem ich jetzt ewig genörgelt habe): Ich vermute, ich werde keine Schreibseminare mehr besuchen. Ich habe drei davon besucht, kenne den Ablauf und kann meine Zeit besser nutzen – also auch zum Schreiben.

Übrigens… ich erwarte natürlich kein ganzes Studium der Literaturwissenschaft, aber eine kurze Einführung gefolgt von einer Diskussion über z.B. Perspektiven und wie sie technisch in einer Geschichte umzusetzen sind, ist nicht zu viel verlangt, oder?

Ein Gedanke zu „Warum ich kein Schreibseminar mehr besuchen möchte“

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