Wenn ihr diesem Blog schon länger folgt, wisst ihr vermutlich , dass ich mich entschieden habe, meine vielen vielen Kurzgeschichten, die ich für Literaturwettbewerbe aber auch in Schreibgruppen oder auch einfach so geschrieben habe, in eine Sammlung zusammen zu fassen und im Self Publishing zu veröffentlichen.
Wenn ihr gerade neu auf dem Blog seid – herzlich Willkommen 😍 – und meine Schritte zum Self Publishing könnt ihr z.B. hier finden: Self Publishing – eine Reise ins Unbekannte
Die Story ist unvollendet, weil ich noch mitten im Prozess stecke.
Jedenfalls stellte sich während des Entscheidungsprozesses für eine Veröffentlichung im Self Publishing natürlich die Frage, ob ich meine Geschichten lektorieren lassen möchte, oder nicht. Ich habe lange hin und her überlegt und folgende Punkte für und wider ein Lektorat abgewogen.
- Kontra – Kostspielig
Okay, ich vermute, das überrascht jetzt niemanden und der Punkt ist nicht von der Hand zu weisen. Die komplette Sammlung mit allen von mir verfassten Kurzgeschichten hat ca. 250.000 Zeichen, was um die 170 Manuskriptseiten sind. Die Gesamtkosten werden hoch sein. Da ich noch keine Rechnung habe, kann ich euch nicht sagen, wie viel es wird, aber günstig ist anders 😰 Und das Geld wächst bei mir nicht auf Bäumen. Es wird weh tun. Ich verspreche, euch am Ende meiner Reise eine Gesamtrechnung zu zeigen, damit ihr euch auch ein Bild davon machen könnt.
Trotzdem…

- Pro – Qualität der Geschichte
Ich habe bereits in der Vergangenheit mit einer Lektorin (dieselbe, die jetzt die Geschichten Lektoriert) zusammengearbeitet und ich muss sagen, ich war echt begeistert 😊
Ich wollte an einigen Wettbewerben teilnehmen, mit der besten Geschichte, die ich zu der Zeit schreiben konnte und ich wollte mögliche Fehler ausradiert haben – ihr kennt das ja, im eigenen Text sieht man die Fehler nicht.
Die Arbeit mit der Lektorin war wunderbar! Wenn meine Geschichte ein Rohdiamant war, hat sie ihr stilistisch und literarisch den Schliff verpasst, den ich nur noch polieren musste. Am Schluss stand ein Juwel, auf das ich stolz sein konnte – ob die Storys jetzt im Wettbewerb berücksichtigt wurden, oder nicht.
- Pro – Fehler beheben
Diesen Punkt habe ich oben bereits ein wenig angerissen. Bei einem Text, den man selbst geschrieben hat, ist jeder Autor „Textblind“ (sei es literarische, wissenschaftliche oder journalistische Texte – völlig egal). Man übersieht, oder besser gesagt, überliest Fehler sehr schnell. Lektoren können auf eine hochprofessionelle Art genau die Fehler ausmerzen, die wir als Autoren nicht (mehr) sehen.
Ich finde, Geschichten sollten bei Wettbewerben möglichst fehlerfrei eingereicht werden, da dies einen professionellen Eindruck hinterlässt. Ich weiß, wir sind hier alle Amateure und ich bin die letzte Person, die von sich tatsächlich als „Schriftstellerin“ sprechen möchte (auch wenn ich es wirklich – wirklich – wirklich wollen würde), aber die Geschichten, die wir bei Wettbewerben einreichen und möglicherweise in Anthologien aufgenommen werden, werden veröffentlicht. Das heißt auch, sie werden gelesen – außerhalb unseres Familien- und Freundeskreises, die wohlwollend genug sind, uns die Fehler zu verzeihen.
Daher halte ich es für wichtig, dass alles, was aus meiner „Feder“ das Licht der Welt erblickt bzw. erblicken könnte, so gut ist, wie es nur sein kann. Wobei ich das nicht immer schaffe – und hier kommt eben die Lektorin ins Spiel.

- Kontra – Zeitfaktor
Ein gutes Lektorat braucht Zeit. Zumal gute Lektoren meist mit Arbeit überschüttet sind 😉 Meine Lektorin wird für alle meine Geschichten für die Sammlung mehrere Monate brauchen. Ich bin absolut nicht in Eile und habe keine festen Termine. Wenn die Sammlung dieses Jahr – ich hoffe möglicherweise im ersten Halbjahr – rauskommt, bin ich happy.
Aber ich kann mir vorstellen, wenn eine Deadline drückt, kann es echt knapp werden, sollte der favorisierte Lektor oder die favorisierte Lektorin nicht verfügbar sein. Dann könnte es echt eng werden.
- Pro und Kontra – zu starke Überarbeitung
Bei diesem Punkt bin ich zwiegespalten. Vor längerer Zeit habe ich mit einer (anderen) Lektorin zusammengearbeitet für eine recht kurze Geschichte für einen Wettbewerb. Zu der Zeit war ich klein und unerfahren – heute bin ich groß und unerfahren 😉 – und habe fast jeden stilistischen Vorschlag der Lektorin angenommen.
Am Schluss war die Geschichte nicht mehr meine Geschichte. Sie war so stark verändert, dass sie sich gar nicht mehr anfühlte, wie die Story, die ich geschrieben hatte. Ich mochte sie gar nicht mehr.
Also habe ich die Geschichte wieder verworfen.
Jahre später habe ich die Rohversion wieder zur Hand genommen und mit Geduld, reiflicher Überlegung und Mäßigung an die Bearbeitung rangegangen. Das Resultat war genau das, was ich erwartet hatte. Die Story war perfekt.
Daher denke ich, dass dieser Punkt sehr stark in die Verantwortung der Autorin oder des Autors fällt, die Änderungsvorschläge des Lektorats mit Besonnenheit aufzunehmen.

Fazit:
Meine persönliche Meinung ist, dass ein veröffentlichtes Buch die beste Version sein muss, die man als Autorin oder als Autor zu der Zeit auf Papier bringen kann. Es ist eine Frage der Qualität des Werkes und der Professionalität der Arbeit. Das Werk kommt auf den Markt und muss sich dem Wettbewerb mit vielen – sehr vielen – anderen Werken stellen. Unkorrigiert und nicht ausreichend überarbeitet, wird es kaum eine Chance haben.
Außerdem geht der Gedanke hier auch in die Zukunft. Wenn ich tatsächlich eines Tages ein Roman traditionell veröffentlichen sollte – Daumen drücken!!! – will ich nicht, dass ein Buch mit meinem Namen in Zusammenhang gebracht wird, das nicht einem gewissen Qualitätsstandard entspricht. Und das schaffe ich mit Sicherheit nicht ohne professionelle Unterstützung.
Deswegen habe ich mich für ein Lektorat entschieden, trotz der hohen Kosten.
Was denkt ihr? War die Entscheidung richtig oder falsch? Was würdet ihr machen?
Disclaimer: alle Fotos gehören mir, heißt, ich habe sie selbst auf meine Reise durch Griechenland 2019 geschossen.