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Ein Zyklop. Ein guter Zyklop, der aus der griechischen Mythologie ins moderne Leben herübergeschwebt kommt und Recht spricht, Unrecht korrigiert, Gerechtigkeit wiederherstellt, dem Guten zum Sieg verhilft – und so weiter und so fort, ihr kennt das Spiel.
Der Schriftsteller kannte seine Macht der Worte. Er formte sie aufs Papier und sie transportierten ihre Magie ins echte Leben. So hatte er bereits Felder und Wiesen Anstelle von Häuser und Parkplätzen geschaffen. Er hatte das Tierheim gerettet, als eine große Supermarktkette das Grundstück hatte kaufen wollen und hatte einfach die Bank pleite gehen, das Bauunternehmen geschrotet und die Supermarktkette einfach verschwinden lassen. Oder erinnert sich noch jemand an SUPL?
Und die Menschen, die dieser Monstrosität dienten, waren gleich mit verschwunden. Auch die Bewohner der Häuser und Wohnblocks – warum zerstörten sie auch die Natur? Wohnen? Wohnen konnte man überall.
Aber der Schriftsteller konnte nicht überall sein. Er konnte nicht jedes Unrecht korrigieren, nicht jede böse Tat ungeschehen machen. Daher erschuf er den Zyklopen. Das mystische Wesen der Griechen.
Es sollte für Gerechtigkeit sorgen. Weltweit. Überall da, wo der Schriftsteller nicht sein konnte. Überall dort, wo im Verborgenen gelitten wurde, sollte sein Zyklop eingreifen und die Welt richtigstellen.
Mit jedem Wort auf seinem Blatt, geschrieben auf der antiken Schreibmaschine, die ihm die Kraft verlieh, Fantasie und Wirklichkeit zu verschmelzen, nahm der Zyklop Gestalt an. Der Schriftsteller konnte seinen heißen Atem bereits hinter sich spüren.
Ein blaues Auge, mit dem es alles Böse sehen konnte, scharfe Krallen, die Monster in Menschengestalt in Fetzen reißen konnte und eine Fratze einer Ausgeburt der Hölle.
Der Schriftsteller hörte es hinter sich scharren, knurren und sich winden.
Es war da.
Er war da.
Der Zyklop.
Der alles Böse auf der Welt verschlingen sollte.
Es war sein letzter Gedanke, bevor ihn seine eigene Kreatur packte, ihre Krallen tief in seinen dürren Körper bohrte und ihn in Gänze verschlang.
Ende
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