Ich möchte heute mit einer Serie beginnen, die sich darum dreht, ob ein Leser den Unterschied zwischen einem KI-Text und einem Autoren-Text machen kann.
Die Idee kam mir durch die hitzige Diskussion in den Sozialen Medien, die entweder leidenschaftlich für oder leidenschaftlich gegen die Nutzung von KI plädieren. Der Diskurs wird – sagen wir – sehr intensiv geführt (nein, trotz der Gedankenstriche ist dies hier kein KI-Text 😁). Ich halte mich zum größten Teil raus. Ich nutze KI gerne für Grafiken und Bilder, da ich in dieser Hinsicht absolut talentfrei bin und dadurch eine gute Unterstützung gefunden habe. Das könnt ihr hier auf dem Blog manchmal sehen.
Doch darum geht es hier nicht… hier geht es um den Vergleich zweier Texte. Einen habe ich im Rahmen einer Schreibwerkstatt geschrieben, der andere Text mit denselben Vorgaben, ist von einer KI generiert. Interessanterweise kamen die KI und ich auf dieselbe Lösung. Ich frage mich jetzt, ob ein Leser sofort erkennen kann, welcher Text stammt aus wessen „Feder“. In einem späteren Beitrag werde ich es euch verraten und ich teile euch auch meine Gedanken hierzu gerne mit.
Kleiner Hinweis: ich möchte es zu Beginn nicht zu schwer machen, daher wäre ich überrascht, wenn die Leser den KI-Text nicht erkennen 😉
Es geht los… Beide Texte haben eine Leselänge von ca. 2 Minuten.
Text 1: Der Jaguar und die Legende der verlorenen Schätze
Es gab eine Zeit, da wurde ich von den Humanen verehrt. Sehr verehrt. Sie haben mich als Gottheit behandelt. Woher ich das weiß?
Nun, ich bin Archäologin und für Ausgrabungen aus der Zeit der Humanen zuständig. Ja, es ist kein Grund, mich hier aufzuplustern, nur weil eine ausgestorbene Tierart mich irgendwie verehrt hat, aber trotzdem hatte ich heute einen kleinen Höhenflug, als ich das große, rot leuchtende Ding gesehen habe, auf das sie mich verewigt hatten.
Was es ist, wissen wir nicht. Ein Altar? Eine Opferstätte? Jedenfalls sieht es geräumig aus, aber für uns sehr unpraktisch. Es ist eher für Tierarten mit zwei Beinen und langen Oberkörpern gemacht. Man kann sich auf keinem der Sitzplätze richtig zusammenrollen oder sich vollständig ausstrecken. Dafür sind sie zu kurz. Und auch zu hart, wenn wir es genau nehmen wollen. Wir Katzenarten mögen es kuschelig.
Aber das Objekt ist bestimmt nicht für uns gebaut worden. Sie ist von den Humanen zu meiner Verehrung gebaut worden, damit mir Opfer gebracht werden – kleine Beutetiere jeglicher Art – und nicht, um mich zu beherbergen. Wobei, ich weiß wirklich nicht, ob es ein Altar oder Ähnliches ist. Ich stelle mir nur vor, dass es eins wäre.
Sie hatten wohl die Gewohnheit, ihre Opferstätten zu kennzeichnen. Mustang stand auf einem – dabei sind die Hengste fast ausgeflippt. Oder der Lamborghini, da ist der Ochse wütend geworden, dass die Opferstätte einem Stier und nicht ihm gewidmet wurde.
Die waren alle schön und gut und wenn wir ehrlich sein wollen, ist der Stier-Altar auch gar nicht so schlecht, aber der Jaguar – der Jaguar toppt alles. Ich winde mich schnurrend zwischen den Überresten des Altars und freue mich, dass mich eine vergangene Spezies so verehrt hat.
Text 2: Der Jaguar und die Legende der verlorenen Schätze
Die meisten Archäologen tragen Hut, Sonnencreme und eine gewisse Begeisterung für Staub.
Dr. Jaguarius erfüllte diese Kriterien nur teilweise.
Den Hut mochte er nicht – er drückte auf die Ohren. Sonnencreme war wegen seines dichten Fells ebenfalls unnötig. Aber für Staub hatte er eine echte Leidenschaft. Besonders für sehr alten Staub. Staub, der seit tausenden Jahren nicht bewegt worden war. Staub, der Geschichten kannte.

Dr. Jaguarius war, wie sein Name andeutet, ein Jaguar. Ein ziemlich großer sogar. Mit kräftigen Pfoten, goldgelbem Fell und dunklen Rosetten. In der archäologischen Fachwelt sorgte das gelegentlich für Verwirrung, besonders bei neuen Praktikanten.
„Ist das… Teil der Ausstellung?“ hatte einmal ein Besucher gefragt, als Dr. Jaguarius reglos neben einer Vitrine stand und eine Inka-Schale studierte.
„Nein“, hatte der Museumsführer geantwortet. „Das ist unser leitender Feldarchäologe.“
Im Moment befand sich Dr. Jaguarius jedoch nicht im Museum, sondern tief im südamerikanischen Regenwald. Vor ihm lag eine Ausgrabungsstätte, die seit Wochen sein Team beschäftigte: die überwucherten Ruinen einer längst vergessenen Stadt.
Menschenarchäologen hatten Spaten, Pinsel und kleine Bürsten.
Dr. Jaguarius hatte… andere Werkzeuge.
Mit erstaunlicher Präzision schob er Erde zur Seite. Seine Krallen konnten vorsichtig genug sein, um zerbrechliche Keramik freizulegen. Sein Geruchssinn half ihm sogar dabei, alte organische Materialien zu erkennen, lange bevor jemand sie sah.
„Dr. Jaguarius?“, fragte seine Assistentin Elena vorsichtig. „Wir glauben, hier ist eine Mauerstruktur.“
Der Jaguar trat näher, schnupperte kurz – und begann dann, mit der Pfote vorsichtig den Boden freizulegen. Wenige Minuten später zeichnete sich tatsächlich eine Steinreihe ab.
Elena strahlte. „Sie haben wirklich ein Talent dafür.“
Dr. Jaguarius nickte würdevoll. Das tat er häufig. Es verlieh ihm eine gewisse akademische Autorität.
Doch an diesem Nachmittag geschah etwas Besonderes. Während er weiter grub, stieß seine Pfote gegen etwas Hartes. Kein Stein – dafür war die Form zu rund.
Vorsichtig legte er den Gegenstand frei.
Ein kleiner, kunstvoll verzierter Anhänger kam zum Vorschein. Gold, mit einem eingravierten Muster, das entfernt… nun ja… wie ein Jaguar aussah.
Das ganze Team beugte sich darüber.
„Das ist unglaublich“, murmelte Elena. „Vielleicht ein Symbol für eine Gottheit.“
Dr. Jaguarius betrachtete den Anhänger lange. Seine Schwanzspitze zuckte leicht.
„Oder“, sagte Elena nachdenklich, „ein Symbol für Stärke… für den Hüter der Stadt.“
Der Jaguar setzte sich hin, so würdevoll wie möglich.
In der Fachwelt musste man schließlich professionell bleiben – selbst wenn man möglicherweise gerade ein Artefakt ausgegraben hatte, das aussah wie ein uralter Fanclub für die eigene Spezies.
Er schob den Anhänger mit der Pfote zu Elena.
Sie notierte alles sorgfältig: Fundort, Tiefe, Zustand.
Dr. Jaguarius blickte über die Ruinen hinweg in den dichten Dschungel. Irgendwo dort draußen lagen noch tausend weitere Geschichten im Boden verborgen.
Und wenn es nach ihm ging, würden sie alle gefunden werden. Staubkorn für Staubkorn.
