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Vorwort: ich glaube, zu dieser Story ist eine kurze Einleitung notwendig 😉 Ich habe die Geschichte gestern Abend in meiner Schreibwerkstatt geschrieben, denn die Aufgabenstellung passte sehr gut dazu.
Die Geschichte basiert größtenteil auf einer persönlichen Erfahrung. Sie ist nicht exakt so abgelaufen, aber die Details stimmen. Sie ist vor etwa 15 Jahren passiert und wenn ich daran zurückdenke, muss ich immer noch lachen 😁 Als die Aufgabenstellung gestern kam, dachte ich sofort an diese Geschichte und ich hoffe, ihr habt Spaß damit.
Hinweis: die Story ist genauso, wie ich sie gestern in 30 Minuten geschrieben habe. Ich habe nichts korrigiert und nichts verändert, daher bitte schaut über die kleinen – oder auch größeren – Fehler hinweg. Dies sind nur Fingerübungen und just for fun da. Aber warum soll nur ich meinen Spaß daran haben… Also viel Vergnügen 🥳 Ihr könnt die Geschichte auch herunterladen und später lesen. Wie ihr möchtet.
P.S. Die Bilder habe ich selbst bei einer Tulpenausstellung geschossen. War ein schöner Tag!
Das erste Date
Während der heiße Kaffee – Milchkaffee, wenn ihr es genau wissen wollt – meine Kehle wohlig umspülte, dachte ich verärgert darüber nach, warum ich in diesem Restaurant saß und mir die Zeit um die Ohren schlug.
Nun ja… ich hatte ein Date. Ein Tinder-Date. Klingt spannend, nicht wahr? Er hatte zumindest nett geklungen. Wir hatten gemacht, brav gechattet, über Soziale Medien, versteht sich – ich gab doch nicht irgendwem einfach meine Nummer und irgendwann entschieden, uns zu treffen.
Detlef.
Der Name hatte einen leichten oldie-Touch, aber wer weiß schon, wie seine Eltern drauf waren. Vielleicht hatten sie ihn einfach spät bekommen.
Apropos spät. Er war definitiv zu spät dran. Ich wartete jetzt schon gut eine Viertelstunde und wurde leicht ungeduldig. Noch 10 Minuten, dann war ich weg.
Kaum hatte ich die Entscheidung getroffen, stürmte er schon durch die Tür, die dunklen Haare zerzaust, der Sweater offenbar verschwitzt. Ich staunte ein wenig über sein Outfit. Sweater und Sporthosen? Beim ersten Date? Ernsthaft? Doch ich rief mich sofort zur Ordnung. Wenn er sich beim sowieso emotionsgeladenen ersten Daten wohlfühlen wollte, wer war ich, um über ihn zu urteilen? Na besagtes Date, flüsterte eine Stimme in meinem Hinterkopf, er könnte sich doch etwas mehr Mühe geben, Eindruck zu machen.
„Schnauze“, raunte ich mir gedanklich zu und lächelte ihn an.
„Detlef“, stellte er sich vor, als er meinen Tisch erreichte. „Da war kein Parkplatz.“

„Kein Problem“, sagte ich lässig. Ich verstand die Herausforderungen einer Großstadt. Ich wohnte ja selbst in einer. „Setz dich doch, ich bin Natalia.“
Er setzte sich und schwieg. Ich wartete. Ich weiß auch nicht, worauf.
„War der Verkehr schlimm?“, fragte ich.
„Nein.“
„Kein Stau?“
„Nein.“
„Dein Glück ist etwas abgelaufen, als es um den Parkplatz ging, was?“
„Ja.“
Ich fühlte leichte Irritation in mir aufsteigen, doch ich unterdrückte das Gefühl schnell. „Schön, dich persönlich kennenzulernen“, setzte ich hinterher.
Die Kellnerin kam, bevor er die Gelegenheit bekam, etwas zu antworten. Ich bestellte eine große Orangenlimonade, er ein Bier. Nicht alkoholfrei, wie mein Gehirn automatisch registrierte.
„Musstest du heute arbeiten?“, fragte ich.
„Ja.“
„In deinem Profil steht, du wartest Maschinen. Was sind das für welche.“
„Industrieanlagen.“
„Und die machen…“
„Andere Maschinen.“
Ich sah ihn an. Nahm er mich aufm Arm? Was das ein Prank? Ich sah mich nach einer Kamera um, doch ich konnte nichts Auffälliges erkennen. Auch seine Brille sah normal aus, nicht wie eine von diesen Brillenkameras, aber die waren angeblich kaum zu erkennen.
Die Kellnerin kam mit unseren Getränken und fragte, ob wir was essen möchten. Ich war gerade dabei, zu verneinen – das Date lief nicht gerade prickelnd, also wollte ich erst sehen, wie es sich entwickelte, bevor ich eine ganze Mahlzeit mit ihm durchstehen sollte – da bestellte er ohne mich zu fragen zwei Schnitzel mit Pommes rot-weiß mit einem großen Salat.
„Ähm…“ ich war so überrascht, dass ich meine Worte nicht finden konnte, bevor die Bedienung sich die Bestellung notiert und wieder verschwunden war.
„Die sind hier gut“, sagte er.
Oh! Vier Worte aneinandergereiht. Respekt!
„Könnte aber sein, dass ich kein Fleisch esse“ sagte ich frustriert, „oder kein Schwein.“ Nichts davon traf zu, doch noch nie hatte jemand ohne zu fragen einfach Essen für mich bestellt. Nicht mehr, seit ich fünf Jahre alt war.
„Wäre schade.“
Wäre schade!? Ich schnappte nach Luft und schwieg. Das war ja großartig. Mir ging es durch den Kopf, den Kerl mit seinen zwei Schnitzel und Pommer rot-weiß einfach stehen zu lassen. Meine antrainierte Höflichkeit und Erziehung ließen mich jedoch zögern. Vielleicht war er einfach nur übermäßig nervös?
Ich entschied mich, vorerst noch zu bleiben, auch wenn ich jetzt schon keine Lust mehr auf dieses Date hatte. „Du wartest also Maschinen, die andere Maschinen machen“, nahm ich mühselig den Faden wieder auf. „Ich bin professionelle Hockeyspielerin“, erzählte ich etwas von mir, um ihm seine Nervosität zu nehmen. „Und ja, davon kann man leben.“
Er nickte. Sagte aber nichts dazu.
„Ich hatte mal den Traum, Tänzerin zu werden“, redete ich weiter, um die Stille zu füllen, „aber ich habe zwei linke Füße.“ Sprang er auf den Scherz an? Nein? Dann weiter. „Die Koordination beim Hockey funktioniert trotzdem erstaunlich gut.“
„Aha.“
Es war kein enthusiastisches oder gar interessiertes „aha!“, doch es war immerhin ein Laut und ich gab mich damit zufrieden. „Ich habe zwei Geschwister“, plapperte ich munter darauf los. „Beide sind älter als ich, aber wir verstehen uns sehr gut. Mein Bruder ist Chemiker und meine Schwester züchtet dreiköpfige Aliens.“

Seine Augen wurden groß. Ich musste lachen. „Wollte nur sicher gehen, dass du mir zuhörst.“
Wieder ein nicken.
„Hast du Geschwister?“
„Nein.“
„Halbgeschwister?“
„Nein.“
Fast hätte ich gefragt, ob er überhaupt Eltern hat, da kam die Bedienung mit unseren, oder sagen wir besser seiner, Bestellung und stellte alles auf den Tisch. „Guten Appetit“, wünschte sie uns fröhlich.
Schweigend aßen wir eine geraume Zeit. Stille ist für mich immer unangenehm. Mit den meisten Menschen kann ich mich ungezwungen über die verschiedensten Themen unterhalten. Die meisten Menschen reagieren in der Regel nicht einsilbig auf alle Konversationsversuche. Ich fragte mich, wie lange er das durchhalten konnte. Wir waren immerhin auf einem Date.
Ein Date, das er mit Sweater und Jogginghose durchzustehen gedachte, ging mir gehässig durch den Kopf. Innerlich seufzte ich tief. Okay, ich war genervt und eindeutig nicht mehr in Stimmung für das Date.
„Auf deinem Profil steht, du magst Filme“, sagte ich, als wir schon das halbe Schnitzel aufgegessen hatten und immer noch kein Wort gefallen war.
„Manchmal.“
„Manchmal? Was meinst du?“ Hm … vielleicht lag es an mir. Vielleicht sollte ich meine Taktik ändern und nicht Fragen stellen, die er mit „ja“ oder „nein“ beantworten konnte.
„Nicht immer Bock.“
Hurra! Wir waren von einem auf drei Worte gekommen. Immerhin ein Fortschritt. „Was machst du denn sonst so gerne?“
„Zocken.“
Ach ja, ich sollte keine simplen Fragen stellen, die einsilbig beantwortet werden konnten. Andererseits war ich mittlerweile vollends genervt. Ich hatte bereits entschieden, dass es kein zweites Date geben würde. Er sah zwar ansprechend aus und sein Profil war – nun ja, durchschnittlich gut – aber mittlerweile vermutete ich, dass jemand anders das Profil für ihn angelegt hatte. Nervosität hin oder her, ich war auch nervös, aber meine Zeit war mir zu schade, um bei meinem Gegenüber um jedes Wort kämpfen zu müssen. Hätte ich nicht die Schnitzel und die Pommes vor mir auf den Tisch, wäre ich längst gegangen.
„Alles okay bei euch?“, zwitscherte die Kellnerin.
„Ja.“
Ja? Wie in drei Hekers-Namen kam er auf „ja“. Es lief alles andere als gut.
„Gerne die Rechnung bitte“, sagte ich schnell, bevor die Kellnerin wieder verschwinden konnte. Sie hob etwas verwundert die Augenbrauen, nickte dennoch.
„Getrennt bitte.“
Von mir aus… „Ich hatte den Latte Macchiato“, sagte ich.
„Und das Schnitzel mit Pommes“, warf er ein.
„Die habe ich nicht bestellt. Die hast du für mich bestellt.“
„Aber du hast sie gegessen.“ Er strahlte mich an, als ob er das Totschlagargument schlechthin gebracht hätte.
Wollte ich diskutieren? Nein! Auch wenn er offenbar einen reicheren Wortschatz hatte als nur „ja“ und „nein.“
„Von mir aus“, grummelte ich unzufrieden. Ich hatte endgültig genug, kramte in meiner Tasche, zog einen zwanzig-Euro-Schein aus meinem Portemonnaie, legte es auf den Tisch und stand auf. „Ich geh jetzt nach Hause. Tschüss.“
Er starrte mich an, offenbar völlig unvorbereitet. „Warum?“
Einige Sekunden starrte ich zurück, schüttelte dann den Kopf und ging, ohne ein Blick zurückzuwerfen. Dieses Date würde mich als eine der seltsamsten Begegnungen meiner Dating-Karriere begleiten. Vermutlich hat Detlef bis heute nicht verstanden, warum er am Ende unseres Dates allein am Tisch saß.
ENDE
