Als letzter „inhaltlicher“ Beitrag des Jahres zeige ich euch zwei neue Schreibübungen für Gruppen, die ich beim Besuch meiner letzten Schreibwerkstatt gemacht habe und die richtig interessant waren – zumindest für mich 😊
Übung für Feste jeglicher Art
Die erste Übung hatte etwas mit Weihnachten zu tun – war ja auch kurz vor Weihnachten, daher passte es gut. Allerdings kann das Setting beliebig angepasst werden, um jedes Fest (Karneval, Oktoberfest usw.) einschließen zu können.
Thema war: ihr seid ein forschender Alien, der von seinem Volk auf einen Weihnachtsmarkt abgesetzt wurde, um die Menschen zu studieren.
Meine ersten Gedanken dazu: cooooool 😎 Mir fiel auch direkt etwas ein und ich schrieb folgenden Text.
Meine liebe Xlathcoacl, ich bin gut auf der Erde gelandet, die Raumfahrt war schön. Wir hatten keinerlei Schwierigkeiten. Es ruckelte ein wenig um den Saturn herum, aber die Turbulenzen um den Jupiter hielten sich in Grenzen. Du kennst mich und meine Raumfahrtangst ja.
Aber gut. Hier auf der Erde ist es – ich weiß nicht genau – also ich bin nicht sicher, wie ich das diplomatisch ausdrücken soll. Die sind – nun ja. Anders. Also wie soll ich sagen. Auf jeden Fall eine interessante Kombination aus schnatternden Weltraumenten und Nacktschnecken – du erinnerst dich an den Entenschwarm, der uns bei Pluto links überholt hat? Dieses Schnattern? Hörst du auch hier ständig. Ich habe erst gedacht, die Menschen sind gar keine intelligente Spezies und gehören zu einer federlosen Vogelart… aber wenn du ihnen lange zuhörst, und ich meine wiiirklich lange, ergibt ihr Geschnatter irgendwann einen Sinn. Besonders nach dem Konsum von etwas, das sie Glühwein nennen, ist die Welt hier etwas erträglicher.
Interessanterweise kleben sie ständig aneinander. Ich vermute, sie sind kaltblütig und frieren ununterbrochen, denn sie suchen Schutz und Wärme beieinander und kuscheln sehr eng vor den kleinen Unterständen mit diesem Glühwein. Und der ist auch warm – also eher heiß. Ich vermute, sie müssen dieses heiße Gebräu trinken, weil sie sonst vor Kälte verenden. Dafür sind die Behälter mit der heißen Flüssigkeit erstaunlich klein, aber sie trinken und trinken, als ob es kein morgen gäbe.
Es fällt mir schwer, zu berichten, denn ich werde permanent hin und her geschubst und meine Körpertemperatur steigt und steigt. Doch, ich möchte als Fazit hier so diplomatisch wie möglich festhalten – DIE SIND VÖLLIG IRRE! Von allen guten Dämonen verlassen! Sie haben Huftiere auf ihren Dächern, überall blitzende Lichter und unerträgliche Aneinanderreihung von Geräuschen, die sie Musik nennen. Respektvoll: HOLT MICH HIER RAUS! Und den Planeten stellen wir unter Quarantäne und zwar bis in aller Ewigkeit.

Übung mit drei Worten
Diese Art von Übung wird immer mal wieder gemacht und für mich funktioniert sie hervorragend 😊 Meistens… Jeder musste auf drei Zettel je ein Wort schreiben. Dann wurden alle Worte in einen Hut geworfen und jeder zog dann drei Worte aus den Hut.
Thema: nutze die drei gezogenen Worte um eine Geschichte zu schreiben.
Meine Worte waren: Machentenartig Portulak winzig
Meine Gedanken dazu: Diese Art vo Übung kannte ich schon und wusste, dass sie bei mir gut funktioniert, daher musste ich hier auch nicht lange überlegen und schrieb direkt folgenden Text – jaha! Ich war echt inspiriert an dem Abend.
Mein winziger Portulak war riesig geworden. Und wuchs dabei immer weiter. Mittlerweile hatte er den gesamten Garten übernommen. Wo der Blick hinging, sah man auf kleine gelbe Blumen, wie ein Meer aus glitzernden, funkelnden Sträußen, die um meine Aufmerksamkeit buhlten.
Wie konnte eine einzige kleine Wurzel dieser harmlosen Pflanze alles dermaßen überwuchern? Ich fand keinen Rat.
Zwei Wochen später hatte sich der Portulak – mein Portulak – in der gesamten Nachbarschaft ausgebreitet. Wir kämpften dagegen an, denn es fiel uns schwer, uns von Haus zu Haus zu bewegen. Autos kamen kaum noch durch, die Supermärkte wurden nur schwer beliefert, Stromleitungen wurden überwuchert und als Folge litten wir an dauernden Stromausfällen. Bald brachen auch die Wasserrohre entzwei. Die Stadt tat alles, um der Pflanze Herr zu werden, aber nichts nützte – keine Unkrautvernichtungsmittel, keine Umgrabungen, keine Feuerbrünste. Nichts. Nichts. Nichts half.
Schließlich wurden wir umgesiedelt. Der Kampf mit der Pflanze ging weiter.
Zwei Monate später war das ganze Land überwuchert. Von unserem wunderschönen Stück Erde voller blühender Natur, üppiger Vegetation und reicher Tierwelt war nichts mehr übrig. Nur ein endloses Meer an Portulak. Nur wenige spezialisierte Insekten und Vogelarten hatten die blitzartige Invasion dieser harmlosen Pflanze überlebt. Sie radierte alles aus. Alles Leben. Es erstickte die Tiere im Schlaf, es überwucherte die Ernten und vertrieb die Menschen. Mittlerweile kämpfte ein ganzer Kontinent gegen die Pflanze, denn das, was in unserem Land passierte, machte keinen Halt vor Grenzen.
Zwei Jahre später gab es unseren Kontinent nicht mehr. Beziehungsweise es gab ihn schon noch als Landmasse, aber nichts auf dieser großen Landmasse lebte noch – außer Insekten, Vögel und den Portulak. Der Kontinent an Menschen, mit allem Wissen und aller Technologie, die uns zur Verfügung stand, hatten den Kampf gegen eine Pflanze verloren.
Zwanzig Jahre später war alles Leben auf der Erde ausgelöscht. Auch ich. Hatte ich das nicht erwähnt? Ich starb vor langer Zeit, beim ersten Kampf gegen die Pflanze. Ich starb, als mein einst kleiner Portulak mich im Schlaf erstickte und machetenartig in meinen Körper einschnitt. Den Tod meiner Welt erlebte ich nicht mehr mit.
Hm… okay, die zweite Geschichte ist etwas düsterer ausgefallen, als ich urspünglich wollte, aber machmal entwickeln Geschichten ein Eigenleben. Da kann man nichts machen, außer der Idee einfach folgen 😉
Wie immer sind die Texte „roh“ also genauso, wie ich sie in meiner Schreibwerkstatt geschrieben habe. Ich habe keinerlei Korrekturen daran vogenommen. Ich denke, das muss einfach sein, denn wenn man sich zu sehr auf Details konzentriert, kann die Kreativität nur schwer fließen.
Sagt mir gerne, welche Übungen ihr ab und zu macht und wie sie bei euch funktionieren 🥰
P.S. Die Bilder habe ich dieses Jahr in der Kölner Flora geschossen (im Sommer).