Ich habe letztens auf Social Media einen Post gesehen, der mich etwas geschockt hat um ehrlich zu sein. In diesem Post sagte eine Autorin: „Ich werde keine Texte mehr lesen, die einen Gedankenstrich enthalten – ist alles KI“.
Also… ich gehe davon aus, dass wir alle wissen, was ein Gedankenstrich ist, lasst es mich trotzdem kurz erklären: es ist dieses Zeichen hier „-„, das Autorinnen und Autoren seit Anbeginn der Zeit nutzen und der eine Pause in der Geschichte darstellen soll. Eine Pause in den Gedanken der Charaktere oder einfach eine Unterbrechung im Lesefluss, weil das Erzählte von großer Bedeutung ist usw. usw. Der Gedankenstrich ist vielfältig und ein vielschichtiges Stilmittel.
Der Gedankenstrich wurde von Jane Austen, Charles Dickens, Thomas Mann, Lew Tolstoi und viele viele anderen genutzt. Es ist ein Stilmittel, das man in der Literatur fast genauso häufig findet, wie einen Punkt.
Der Schreibstil von generativer KI hat das selbstverständlich übernommen, daher findet man in Texten von KI Gedankenstriche – genauso wie in Texten, die von menschlicher Hand geschrieben worden sind. Oder wollt ihr mir erzählen, dass Dickens und Tolstoi KI zum Schreiben genutzt haben? Oder habt ihr mal die Harry-Potter-Reihe durchforstet? Es wimmelt nur so von Gedankenstrichen.

Es wurde in letzter Zeit immer wieder bewiesen, dass KI-Texte nicht zuverlässig durch ein einziges Stilmittel (sei es Gedankenstriche, Trilogien oder sonstwas) identifiziert werden können, sondern die Summe der Hinweise einen Verdacht begründen kann – aber auch in dem Fall nur einen Verdacht. Zuverlässig KI-Texte zu identifizieren ist leider nicht wirklich möglich.
Na ja… es sei denn, Autorinnen und Autoren vergessen, den KI-Prompt aus den Texten zu entfernen (soll bereits vorgekommen sein 😁) oder der Output von Geschichten und Romanen ist zu hoch, um noch plausibel zu sein (soll auch vorgekommen sein 😉).
Warum also dieses absurde Statement: „Ich werde keine Texte mehr lesen, die einen Gedankenstrich enthalten – ist alles KI“?
Ich vermute einfach, dass der Beitrag bewusst provozieren sollte um Reichweite und Engagement zu generieren und die Autorin es nicht wirklich so strickt handhabt – sonst könnte sie vermutlich nie wieder einen Text lesen. Ein Gedankenstrich schleicht sich doch immer irgendwo ein und ich z.B. liebe und nutze sie, seit ich angefangen habe, zu schreiben und damals gab es keine KIs. Ja, ich bin so alt 😈
Trotzdem bleibt bei mir ein bitterer Beigeschmack: sind wir wirklich an dem Punkt angekommen, dass Autorinnen und Autoren pauschal, ohne jegliche Beweise unter Generalverdacht gestellt werden? Das nennt sich nicht „aufmerksam sein“ sondern „Hexenjagt“ und ich möchte mich unter keinen Umständen dem anschließen.
Die KI-generierten Texte und Graphiken bedrohen so einige Branchen, die kreative Welt vor allen anderen und ich bin als Autorin genauso davon betroffen, wie jeder andere auch, doch werde ich mich hüten, Autorinnen und Autoren bewusst vorzuverurteilen, nur weil sie es gewagt haben, ein Stilmittel zu benutzen, das sei Anbeginn der Zeit von allen Autoren der Welt eingesetz worden ist.
Ich möchte meine Tirade hier mit einem wichtigen Hinweis abschließen: es gibt im Moment keine zuverlässige Methode, KI-Texte zu identifizieren. Es ist immer die Summe der Indizien, die einen Verdacht begründen können. Denn schlechte Literatur kann auch von Menschen gemacht werden 😈 Also lasst euch nicht verunsichern!
P.S. Die Bilder habe ich selbst auf einer Städtereise nach Wien geschossen (die Rosen vor Schönbrunn waren in voller Blüte…)
