Heute möchte ich mit euch über Erzähltechniken sprechen, die teilweise echt schwierig sind und selbst erfahrenen Autorinnen und Autoren nicht immer perfekt gelingen 😇 Sie sind nämlich echt komplex und manchmal klappt es, manchmal nicht.
Ich selbst habe mich an einigen davon probiert und sie sind mir mehr oder weniger gut gelungen. Wobei es echt schwierig für den Autor ist, zu entscheiden, ob seine Erzählweise wirklich so beim Leser ankommt, wie erhofft. Das können nur Leser sagen 😉
Bevor wir anfangen: ACHTUNG SPOILER! Ich werde alle Erzähltechniken mit einem Beispiel hinterlegen, was euch die Überraschung verderben kann, wenn ihr das Buch / die Serie / den Film gar nicht kennt. Also: seid gewarnt!

Deus ex machina
Eine unerwartet auftretende Figur oder Begebenheit, die in einer konfliktreichen Sitaution die Lösung bringt.
Oft nutzen Autorinnen und Autoren diese Technik, um eine scheinbar unlösbare Situation zu einem guten Ende zu führen. In so einer Situation kann ein entfernter Verwandter, ein unerwarteter Held, eine Gottheit oder eine bisher im Verlauf des Romans unbekannte Technologie plötzlich erscheinen, um das Ende eines Konflikts herbeizuführen.
Ich selbst fühle mich bei solchen „Lösungen“ meist als Leser betrogen, weil es nicht die Charaktere des Buches selbst sind, die eine Lösung ihrer Probleme finden, sondern eine unerwartete Wendung ihnen hilft. Ich denke dann immer, der Autor wusste nicht weiter, daher – schwupps – eine Gottheit kommt um die Ecke und rettet den Tag.
Na klasse…
Beispiel: Ein Buch, in dem diese Technik gut funktioniert hat (meiner Meinung nach) ist „Krieg der Welten“ wo das Ende nicht forciert scheint, sondern ist eher eine unerwartete Konsequenz einer biologischen Realität.
Also, was will ich damit sagen 😁 Die Aliens scheinen nicht zu begreifen, dass ein irdisches Bakterium / ein Virus sie besiegen kann, denn ihr Immunsystem ist nicht damit vertraut, während die Menschen dagegen über Generationen hinweg Immunität aufgebaut haben. Die Aliens sterben an der Grippe und so wird die Menschheit gerettet.
Es ist ein „Deus ex machina“ Kniff, aber in meinen Augen funktioniert er, weil der Kniff sehr glaubwürdig ist. Die Situation kann tatsächlich so passieren, wenn man nicht vorsichtig ist.
Der MacGuffin
Das ist eine interessante Sache – der MacGuffin ist ein Objekt oder ein Ziel, das die gesamte Handlung antreibt und die Handlung der Figuren unterstützt, doch am Ende der Geschichte stellt sich heraus, dass das Objekt oder das Ziel für die Gesamthandlung überhaupt keine Rolle spielt.

Beispiel: Der Koffer in „Pulp Fiction“, der sich als völlig belanglos für die Handlung herausstellt.
Ein weiteres Beispiel (über das man diskutieren kann 😈) wäre „Indiana Jones und die Ritter des verlorenen Schatzes“. Am Ende der Geschichte stellt sich heraus, dass der Hauptcharakter letztlich gar keinen Einfluss auf die Ereignisse des Filmes hatte. Was ich zunächst auch nicht glauben wollte, aber die Theorie hält der Überprüfung tatsächlich stand.
Unzuverlässiger Erzähler
Hier wird die Geschichte aus der Perspektive einer Figur erzählt, deren Wahrnehmung verzerrt, fehlerhaft oder schlicht gelogen ist.
Beispiel: Agatha Christies „Alibi“ wird aus der Perspektive des Mörders erzählt, was wir aber bis zum Schluss nicht wissen 😇 Für mich kam das Ende das erste Mal, als ich das Buch gelesen habe, völlig überraschend. Ein Genuss 😍
Ihre Technik war völlig neu für den Kriminalroman der 1920er Jahre und hat das Genre zu der Zeit revolutioniert. Agatha Christie selbst hat den unzuverlässigen Erzähler lediglich noch ein Mal (teilweise) in einem Roman angewendet und zwar in „Und dann gab`s keinen mehr“.
Okay, ich habe noch ein paar, aber ich sehe, der Post wird sehr lang, daher breche ich hier ab und mache irgendwann später einen zweiten Teil über die weiteren Erzähltechniken – bleibt also gerne dabei 😉
Hinweis: Die Bilder habe ich selbst auf einer Reise nach London 2026 geschossen.
